Terra Preta – schwarzes Gold für gesunden Gartenboden
Einen Workshop zur Herstellung von Terra Preta veranstaltete der OGV Rülzheim Ende September. Aufgeteilt in drei Themenbereiche erfuhren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zunächst alles Wissenswerte rund um die Geschichte der „schwarzen Erde“, zur Herstellung von Pflanzenkohle sowie zur Vorbereitung des erforderlichen Pflanzenmater
ials und der Aufschichtung.
Referent Heinz-Dieter Swiateck, erster Vorsitzender vom OGV Kandel sowie vom Kreisverband Germersheim beschrieb im Theorieteil die Eigenschaften der Terra Preta. Entdeckt wurde Terra Preta, was portugiesisch ist und übersetzt „schwarze Erde“ bedeutet, vor einigen Jahren im Amazonasgebiet. Die genaue Entstehung dieser Erde ist nicht bekannt. Die Bestandteile teilen sich auf in Grünabfälle, Mist, Tonscherben, Knochen, Küchenabfälle sowie Pflanzenkohle von Feuerstellen. Die Pflanzenkohle fördert das Bodenleben und beschleunigt und stabilisiert den Aufbau von Humus, speichert pflanzenverfügbar Wasser und Nährstoffe und schont das Grundwasser, reduziert Bodenerosion und führt so zu Ertragssteigerungen. Pflanzenkohle kann langfristig Kohlenstoff im Boden binden und wird deshalb als möglicher Beitrag zum Klimaschutz diskutiert. Auch in Europa wurden Ter
ra Preta ähnliche Böden in den Gebieten gefunden, wo in früheren Zeiten Köhler ihre Holzkohle herstellten. Als Häckselmaterial kann alles aus dem heimischen Garten verwendet werden. Brombeerhecken sind ebenso verwendbar wie Haselnuss oder Obstbaumschnitt. Auf keinen Fall soll Kirschlorbeer eingesetzt werden. Dieser hat für die Pflanzenerde wuchshemmende Eigenschaften, so die eigenen Erfahrungen des Referenten.
Für die Herstellung des schwarzen Goldes wird zusätzlich noch EM verwendet. „Effektive Mikroorganismen (EM)“ sind eine nützliche und probiotische Mischung aus Hefen, Milchsäurebakterien und Photosynthese Bakterien. Die Zusammensetzung von EM wurde auf Okinawa (Japan) in den 1980er Jahren entwickelt, um die Qualität der landwirtschaftlichen B
öden zu verbessern. In EM leben über 80 verschiedene Arten von aeroben und anaeroben Mikroorganismen in Symbiose.
Die Herstellung der Pflanzenkohle stand am Folgetag auf dem Programm. Auf der Obstanlage des OGV Rülzheim wurde dazu ein Erdloch gegraben um das vorbereitete Holz im Pyrolyseverfahren zu verbrennen. Pyrolyse bedeutet die Verbrennung unter hohen Temperaturen bei wenig Sauerstoffeintrag. Als Material wurden dazu 3-6 cm dicke Äste aus dem letztjährigen Obstbaumschnitt verwendet. Als Alternative zum Erdloch kann auch ein Kon-Tiki Pyrolyseofen verwendet werden. Wegen der hohen Anschaffungskosten ist dieses Verfahren im Hobbygartenbereich jedoch weniger verbreitet.Ins Erdloch wird eine Schicht Holz gelegt und angezündet. Wenn sich das Holz
weiß gefärbt hat wird die nächste Schicht aufgelegt und wieder gewartet. Dieser Vorgang wird solange wiederholt bis das Erdloch voll ist. Nachdem auch die letzte Schicht mit Holz zu Kohle umgewandelt ist wird mit Wasser abgelöscht. Die Pflanzenkohle wird anschließend in einer Wanne oder in Eimern zum Trocknen aufbewahrt. Ein Teil der Workshop-Teilnehmer widmete sich dem Häckseln des Pflanzenmaterials sowie dem Pferdemist. Je feiner das Häckselmaterial umso besser.
Eine Woche später konnten Pflanzenkohle, Häckselmaterial, Pferdemist, kleine und geschredderte Tonscherben sowie Grünschnitt gemischt werden. Zuvor musste die Pflanzenkohle mit einer alten Traubenmühle kleingemahlen werden. Nachdem alles
gut gemischt war wurde die Miete angesetzt. Etwa 15-20cm gemischtes Material wurde mit Urgesteinsmehl bestreut und mit EM-Wasser gegossen. Anschließend wird das Material verdichtet und die nächsteSchicht kann, wieder mit Urgesteinsmehl und EM aufgebracht werden. Nach mehreren Schichten wird die Miete mit Silofolie abgedeckt. Und wenn alles klappt kann die Pflanzenerde zu Beginn der kommenden Pflanzperiode im Frühjahr verwendet werden.
Fazit: Die Herstellung der Pflanzenerde ist sehr umfangreich. Deshalb war es schön. dass wä
hrend der beiden praktischen Teile alle tatkräftig an der Herstellung der Kohle und des Häckselmaterials mitgeholfen haben. Auch das Mahlen der Kohle und der Tonscherben sowie das Aufsetzten und Festtreten der Miete hat alle Anwesendeneingespannt.
Dieser Terra Preta-Workshop hat alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer begeistert und bereits jetzt schon Lust auf einen Folgetermin im kommenden Jahr geweckt.